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Was ist Spoken Word

Antoine Jaccoud

Jens Nielsen

Wie es der Name schon sagt, geht es bei Spoken Word um das gesprochene Wort. Das sieht auf den ersten Blick simpel aus - und ist es auch. Ein Mensch tritt vor Publikum und trägt eine Geschichte oder ein Gedicht vor, mal um zu unterhalten, mal um zum Nachdenken anzuregen, mal beides zusammen, aber in erster Linie: um gehört zu werden. Ein Prinzip, das nicht nur sehr einfach ist, sondern auch uralt. So fanden bereits in der Antike Dichterwettkämpfe statt, an deren Ende das Publikum ihren Favoriten zum Sieger erklärte und auch im Mittelalter bediente sich der Minnesänger des gesprochenen Wortes, um die Gunst der angebetenen Hofdame zu gewinnen. Nach der Erfindung des Buchdrucks und dem damit verbundenen Siegeszug der geschriebenen Literatur gewann das gesprochene Wort erst Mitte des 20. Jahrhunderts wieder an Bedeutung, als Eugen Gomringer, Ernst Jandl und weitere Vertreter der Konkreten Poesie neben dem Schriftbild auch den Klang der Sprache als Spielart wiederentdeckten. Spätestens ab den 1980er-Jahren fand das gesprochene Wort oder eben Spoken Word endgültig zurück in die Literatur und Kultur, dank der Interpreten der Beat-Generation, des Hip Hop und des Poetry Slam.

Spoken Word bricht die Grenzen der Schriftlichkeit auf. Es fährt aus dem Mund direkt ins Ohr, es schreit, es flüstert, es säuselt, es summt, es tut alles, was ein menschlicher Sprechapparat zu Klang bringen kann und verknüpft dadurch Inhalt und Darstellung von Literatur, so natürlich, so eng und so logisch wie kaum ein anderes Genre.

Was ist Poetry Slam?

Poetry Slam ist ein Wettstreit, bei dem DichterInnen (üblicherweise zirka zehn an der Zahl) gegeneinander antreten. Die wenigen und einfachen Regeln sind: Der jeweilige Text muss von der vortragenden Person selbst geschrieben worden sein, Hilfsmittel und Kostümierung sind verboten und es besteht ein Zeitlimit (von 3 bis zu 10 Minuten, je nach Land und Veranstaltungsort). Abgesehen davon ist alles möglich, was das Gesetz erlaubt. Jede und jeder darf auftreten. Das macht Poetry Slams zu abwechslungsreichen Abenden, an denen nicht nur verschiedene Sprachen und Dialekte ihren Platz finden, sondern auch unterschiedlichste Textformen, von Lyrik über Prosa bis zu Rap. Das Publikum kürt am Ende des Abends eine Siegerin oder einen Sieger (mittels Punktetafeln von 1-10 und/oder Applaus), der Siegpreis ist traditionell eine Flasche Whisky, die anschliessend mit allen Teilnehmenden (und nicht selten auch mit den Zuschauenden) geteilt wird.

Der Verzicht auf eine Vorauswahl der Beiträge, das banale Wertungssystem und der nur symbolische Siegpreis macht Poetry Slam zu einer Parodie auf den Wettbewerb, insbesondere auf jenen im Literaturbetrieb, und gleichzeitig zu einem Fest des gesprochenen Wortes und nicht zuletzt der Literatur an sich.

Poetry Slams gehören zu den populärsten Veranstaltungsformen des Spoken Word.

Weitere Informationen auf www.poetryslam.ch